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Kalibrierung

Prüfwertunsicherheit im Kalibrierschein: ein Widerspruch in sich?

Mit dem Leitfaden DKD-L 4-1 hat der Deutsche Kalibrierdienst (DKD) 2024 ein Konzept formalisiert, das in der Kalibrierwelt zunehmend diskutiert wird: die Prüfwertunsicherheit. Auf den ersten Blick klingt das nach einem technischen Detail für Spezialisten. Tatsächlich berührt es eine Frage, die jeden betrifft, der in einem nach ISO 9001 zertifizierten Unternehmen für Prüfmittel verantwortlich ist: Worauf können Sie sich verlassen, wenn Sie einen Kalibrierschein in der Hand halten?

Werfen wir einen genaueren Blick darauf und klären wir, warum das Thema so brisant ist.

Worin liegt der Unterschied?

Die klassische Messunsicherheit nach GUM (Guide to the Expression of Uncertainty in Measurement) berücksichtigt alle relevanten Unsicherheitsbeiträge eines Messprozesses – systematisch, vollständig und rückführbar. Sie bildet damit den tatsächlichen messtechnischen Zustand eines Geräts ab.

Die Prüfwertunsicherheit ist demgegenüber ein eingeschränkteres Konzept. Sie enthält nur einen Teil dieser Beiträge, nämlich jene, die für eine Konformitätsbewertung gegen eine bestimmte Spezifikation als relevant erscheinen. Andere Beiträge, die der GUM fordert, bleiben bewusst außen vor.

Wo das Problem beginnt

Genau hier liegt der Knackpunkt: Wer eine Prüfwertunsicherheit ausweist, lässt Unsicherheitsbeiträge weg, die der GUM verlangt.

Für bestimmte, klar umrissene Prüfaufgaben mag das vertretbar sein. Für eine Kalibrierung ist es das nicht.

Eine Kalibrierung dokumentiert den tatsächlichen messtechnischen Zustand eines Geräts vollständig und rückführbar auf nationale Normale. Wer dabei Unsicherheitsbeiträge weglässt, liefert kein vollständiges und damit auch kein metrologisch rückführbares Kalibrierergebnis.

Die Konsequenz wiegt schwer: Eine auf Prüfwertunsicherheit basierende Konformitätsaussage kann enger ausfallen, als es die tatsächliche Messunsicherheit rechtfertigt. Das Gerät erscheint auf dem Papier konformer, als es messtechnisch nachweisbar ist. Für Sie als Prüfmittelverantwortlichen bedeutet das ein Risiko, das auf dem Kalibrierschein selbst nicht erkennbar ist aber im Audit oder im Schadensfall auf Sie zurückfällt.

Was auf einen Kalibrierschein gehört

Die Antwort ist eindeutig: eine vollständige Messunsicherheit nach GUM mit allen relevanten Beiträgen, transparent berechnet und nachvollziehbar dokumentiert.

Nur das ist eine belastbare Grundlage für

  • fundierte Qualitätsentscheidungen,
  • bestandssichere Audits nach ISO 9001 und
  • die lückenlose Rückführbarkeit auf nationale Normale.

Ein Kalibrierschein ist kein Dokument, das ein Gerät möglichst gut aussehen lassen soll. Er ist ein Nachweis über den realen messtechnischen Zustand. Dieser Nachweis ist nur so viel wert, wie er vollständig ist.

Unser Anspruch

Für uns ist Vollständigkeit keine Auslegungssache. Wir empfehlen in Kalibrierscheinen die vollständige Messunsicherheit nach GUM mit allen Beiträgen, transparent und rückführbar auszuweisen. So erhalten Sie genau die Sicherheit, die Sie als Prüfmittelverantwortlicher gegenüber Auditoren, Kunden und der eigenen Geschäftsleitung brauchen.

Eine Frage zum Schluss an die Fachcommunity: Haben Sie schon Kalibrierscheine erhalten, auf denen statt der vollständigen Messunsicherheit eine Prüfwertunsicherheit ausgewiesen war? Wir sind gespannt auf Ihre Erfahrungen und beantworten Ihre Fragen zum Thema jederzeit gern.

8. Juni 2026 | Hans-Georg Heidemann

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