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Kalibrierung

Digitaler Kalibrierschein für Kraft: Neuer PTB-Expertenbericht schafft Klarheit

Am 17. Juli 2026 hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) den ersten Expertenbericht zum digitalen Kalibrierschein für die Messgröße Kraft veröffentlicht. Der Bericht mit der Bezeichnung DKD-E 3-1 konkretisiert, wie Kalibrierergebnisse nach DIN EN ISO 376 strukturiert und maschinenlesbar im Digital Calibration Certificate (DCC) abgebildet werden können. Für Kalibrierverantwortliche, Laborleitungen, Qualitätssicherung und IT ist das ein konkreter Anlass, sich mit zwei Fragen auseinanderzusetzen, die in der Praxis häufig vermischt werden: Wie kommen Kalibrierdaten strukturiert in Ihre Systeme – und wie stellen Sie sicher, dass ein Kalibrierschein tatsächlich von der angegebenen akkreditierten Stelle stammt und unverändert ist?

Was ist ein digitaler Kalibrierschein (DCC)?

Der digitale Kalibrierschein ist die maschinenlesbare Variante des klassischen Kalibrierscheins. Statt Angaben wie Kalibrierscheinnummer, Kalibrierdatum, Messwerte oder Messunsicherheiten aus einem PDF-Dokument manuell zu übertragen, liegen diese Informationen in einer definierten XML-Struktur vor. Administrative Daten und Messergebnisse sind dabei klar voneinander getrennt und in festgelegten Elementen abgelegt. Dadurch können Softwaresysteme, wie etwa eine Prüfmittelverwaltung, die Daten automatisiert einlesen und weiterverarbeiten, ohne dass Informationen beim Abtippen verloren gehen oder falsch zugeordnet werden.

Der neue Expertenbericht DKD-E 3-1 für Kraftkalibrierungen

Der von der PTB und dem Deutschen Kalibrierdienst (DKD) veröffentlichte Expertenbericht DKD-E 3-1 (Ausgabe 05/2026) beschreibt konkret, wie das DCC-Schema für Kraft- und Drehmomentkalibrierungen genutzt wird. Er konkretisiert insbesondere die Abbildung von Kalibrierergebnissen nach DIN EN ISO 376, der Norm für die Kalibrierung von Kraftmessgeräten. Der zugrunde liegende XML-/XSD-Ansatz gliedert die Daten in administrative Angaben und Messergebnisse und sieht zusätzlich eine optionale Signaturkomponente vor. Ziel ist eine strukturierte, maschinenlesbare und interoperable Dokumentation von Kalibrierergebnissen, die über System- und Laborgrenzen hinweg funktioniert.

Digitaler Kalibrierschein und eAttestation sind zwei getrennte Fragen

An dieser Stelle lohnt sich eine begriffliche Klarstellung, die in vielen Digitalisierungsprojekten übersehen wird: Der DCC beantwortet die Frage, welche Daten in welcher Struktur vorliegen. Er sagt jedoch nichts darüber aus, ob das Dokument tatsächlich echt und unverändert ist. Genau das ist die Aufgabe der eAttestation. Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) hat dafür ein digitales Akkreditierungssymbol eingeführt, das gemeinsam mit einer kryptografisch prüfbaren elektronischen Signatur eine maschinenlesbare, manipulationsgeschützte und automatisiert verifizierbare Bestätigung ermöglicht. Technisch wird dabei die Gültigkeit der Akkreditierung geprüft – unabhängig davon, wie die Kalibrierdaten selbst strukturiert sind.

Für die Praxis bedeutet das: Ein DCC kann vollständig strukturierte Daten liefern, ohne dass automatisch auch dessen Authentizität geprüft wurde. Und umgekehrt kann ein Dokument über eine gültige eAttestation verfügen, ohne dass die enthaltenen Messdaten bereits maschinenlesbar vorliegen. Beide Aspekte sollten Sie deshalb getrennt betrachten und getrennt prüfen.

Praktische Auswirkungen für Kalibrierverantwortliche und Qualitätssicherung

Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied: Ein Kraftaufnehmer kommt aus der Kalibrierung zurück. In einem digitalisierten Workflow kann die Software zunächst die elektronische Signatur des Dokuments prüfen und damit die Authentizität bestätigen. Anschließend werden die strukturierten Messergebnisse aus dem DCC automatisch übernommen. Erst danach erfolgt die fachliche Bewertung, ob das Prüfmittel weiterhin für den vorgesehenen Einsatz geeignet ist. Dieser Ablauf kann Übertragungsfehler reduzieren, die bei manueller Dateneingabe entstehen, und die Prüfmittelakte deutlich schneller vervollständigen, da administrative Daten nicht mehr einzeln erfasst werden müssen.

Was der digitale Kalibrierschein nicht ersetzt

Der Expertenbericht konkretisiert die Datendarstellung, nicht Ihre Freigabeentscheidung! Weder der DCC noch die eAttestation entscheiden, ob ein Prüfmittel für Ihren konkreten Prozess geeignet ist. Diese fachliche Bewertung, bei der Messbereich, Abweichung, Messunsicherheit und die jeweilige Einsatzanforderung zusammengeführt werden müssen, bleibt weiterhin Aufgabe der Kalibrierverantwortlichen. Digitalisierung kann diesen Schritt unterstützen, vorschläge machen und Entscheidungen vorbereiten und damit beschleunigen, aber nicht ersetzen.

Bedeutung für die Prüfmittelüberwachung nach ISO 9001

Für Unternehmen mit einem ISO 9001-zertifizierten Qualitätsmanagementsystem ist die Entwicklung auch aus einem anderen Grund relevant: Die Prüfmittelüberwachung verlangt einen lückenlosen, jederzeit nachvollziehbaren Nachweis, dass eingesetzte Mess- und Prüfmittel kalibriert und geeignet sind. Bislang lag dieser Nachweis meist in Form eines PDF-Kalibrierscheins vor, der manuell in die Prüfmittelakte übernommen und archiviert wurde. Ein strukturierter digitaler Kalibrierschein verändert diesen Ablauf nicht grundsätzlich, macht ihn aber deutlich robuster: Kalibrierdaten lassen sich automatisiert und ohne Medienbruch in die Prüfmittelverwaltung übernehmen, und die Frage der Dokumentenechtheit kann zusätzlich über die eAttestation abgesichert werden. Für Audits bedeutet das eine belastbarere und schneller aufrufbare Nachweiskette.

Wie Memida an der Vertrauensebene ansetzt

Memida setzt genau an der Frage der Vertrauensprüfung an: Bei Prüfberichten werden hochgeladene PDF-, XML- und DCC-Dokumente automatisch auf eine gültige DAkkS-eAttestation geprüft. Das Ergebnis dieser Prüfung wird direkt beim Import des Prüfberichts angezeigt, sodass Sie auf einen Blick sehen, ob Signatur und Akkreditierung des Dokuments gültig sind. Das geschieht unabhängig davon, in welcher Struktur die zugrunde liegenden Kalibrierdaten vorliegen.

Praxisempfehlung: Was Sie Ihr Kalibrierlabor fragen sollten

Angesichts des neuen Expertenberichts empfiehlt es sich, mit Ihrem Kalibrierlabor zwei Fragen getrennt zu klären:

  1. Welche Daten werden im digitalen Kalibrierschein bereitgestellt und in welcher Struktur?
  2. Wie kann verifiziert werden, ob der digitale Kalibrierschein unverändert ist und vom angegebenen Absender stammt?

Wer beide Fragen gemeinsam beantwortet, verschafft sich einen klaren Überblick darüber, welche Prozessschritte in der eigenen Prüfmittelverwaltung tatsächlich digitalisiert werden können und wo weiterhin eine manuelle fachliche Prüfung des Dokuments erforderlich bleibt.

Fazit

Der erste Expertenbericht der PTB zum digitalen Kalibrierschein für Kraft ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer durchgängig digitalen Prüfmittelverwaltung. Er schafft Klarheit über die strukturierte, maschinenlesbare Darstellung von Kalibrierergebnissen nach DIN EN ISO 376. Damit ein digitaler Kalibrierschein aber tatsächlich Vertrauen schafft, muss neben der Datenstruktur immer auch die Authentizität des Dokuments geprüft werden. Beide Prozessschritte – Datenübernahme und eAttestation-Prüfung – sollten Sie in Ihrer Prüfmittelverwaltung bewusst getrennt betrachten.

17. August 2026 | Hans Heidemann

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